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Presse und Medienberichte

 

Wir in den Medien
Hier finden Sie interessante Berichte, Mitteilungen und Veröffentlichungen in verschiedenen Medien zum Zentrum für Stimme & Sprechen.

 

(Screenshot, “Die Presse”, Print-Ausgabe, 26.11.2017)

“Jede Stimme ist schön”

Wiener Journal: Frau Hofmann, was kann man tun, wenn man mit der eigenen Stimme nicht glücklich ist?

Gunda Hofmann: Oft kommen Menschen zu mir, die ihre Stimme zu hoch oder zu tief finden. Ihnen würde eine andere Stimmlage besser gefallen, aber ich finde es absolut nicht ratsam, seine eigene Stimmlage zu verändern. Abgesehen davon ist dies auf Dauer nicht möglich. Was man sehr wohl tun kann, ist, die eigene Stimme zum Klingen zu bringen.

Welche Methoden gibt es dafür?

Hier gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Der Akt des Sprechens ist ja ein sehr komplexer Vorgang. Der Einstieg in das Stimm- und Sprachtraining ist die Atmung. Sie ist die Basis des Sprechens und die Stütze der Stimme. Es gibt diverse Atemübungen, die darauf abzielen, die Muskulatur, die beim Sprechen beansprucht wird, in Wohlspannung zu bringen. Weder Über- noch Unterspannung ist für das Sprechen günstig. Unser Atem gibt auch unseren Sprechrhythmus vor.

Welche Übungen gibt es noch, um die Kapazität der eigenen Stimme besser auszuschöpfen?

Zum Beispiel Resonanz-übungen. Mir ist es ein ganz großes Anliegen, dass die Menschen zu ihrer persönlichen Stimme finden, weil nur dann die Sprache authentisch wird. Manche Menschen sprechen tatsächlich zu hoch oder zu tief, also nicht in ihrer Stimmlage.

Wie stellt man fest, ob ein Mensch in seiner optimalen Stimmlage spricht?

Jeder Mensch verfügt über einen bestimmten Grundton, der mit folgender Übung leicht zu eruieren ist. Man legt die Handflächen auf die Brust, denkt an ein leckeres Essen und sagt Mmmmmh. Auch mit einem langgezogenen “Nnnnnnnh” kann man die eigene Stimmlage sehr gut finden. Das ist der persönliche Grundton, also jener Klangbereich, in dem man unangestrengt spricht. Die Sprachmelodie ergibt sich dann aus den einzelnen Wörtern und Sätzen und variiert dann ein bisschen in der Höhe und in der Tiefe.

Mit dieser Stimmlage sollte man sich also anfreunden.

Ja. Ich persönlich mag die Einmaligkeit der menschlichen Stimme. Für mich ist jede Stimme schön, sofern sie persönlich klingt. Man möchte gar nicht für möglich halten, wie viele Nuancen in der eigenen Stimme stecken, wenn man beginnt, sich gezielt mit ihr zu befassen. Ein wichtiges Thema ist auch die Stimmführung. Ob jemand monoton oder lebhaft spricht, hat viel mit den Spannungsverhältnissen im Körper zu tun, natürlich auch mit emotionalen Faktoren.

Welche Rolle spielt die Anatomie der Stimmbänder? Die legendäre schwedische Sopranistin Birgit Nilsson war gewissermaßen für Wagnerpartien geboren, weil sie überdurchschnittlich dicke Stimmbänder hatte und ihre Stimme dadurch enorm belastbar war.

Die Stimmbänder sind natürlich ein wesentlicher Punkt. Kurze Stimmbänder geben höhere Stimmen, lange Stimmbänder tiefere Stimmen. Die Tonlage hängt aber auch von der Spannung der Stimmbänder ab. Wenn sie wenig gespannt sind, schwingen sie langsamer und es ergeben sich eher tiefere Töne. Wenn sie mehr gespannt sind, kommen höhere Töne. Oft sind Leute im wahrsten Sinne des Wortes überspannt und reden dadurch viel zu hoch und gequetscht, was bei längerem Sprechen zu Heiserkeit führen kann. Dann muss man versuchen, die Spannung herauszunehmen, um in die Wohlspannung zu kommen, was unter anderem über Atem-, aber auch mit Bewegungsübungen zu erreichen ist. Wenn die Atemräume offen sind, dann sind auch die Resonanzräume offen und die Stimme gewinnt automatisch an Tragkraft und Klang.

Wenn man beispielsweise bei einem Vortrag lauter sprechen muss, sollte dies also nicht mit einer bewussten Kraftanstrengung einhergehen?

Stimmvolumen ist keine Frage der Anstrengung, das führt nur zu einer gepressten Stimme, die niemanden anspricht. Vielmehr sollte man die Stimme strömen lassen, die Vitalität des Atems und alle Resonanzräume des Körpers miteinbeziehen. Sprechen ist ein ganzheitlicher Vorgang. Ich sage meinen Schülerinnen und Schülern immer, streicht “laut” und “leise” aus eurem Wortschatz. Wenn man laut sprechen möchte, dann gibt man meistens Druck und erzielt den gegenteiligen Effekt und die Stimme kann sich nicht entfalten. Es ist wichtig, dass es in meinem Brustraum, in meinem Körper nicht eng, sondern weiter wird. Es geht um Räume und Weite. Deshalb sage ich beim Stimmtraining auch nicht “lass dir Zeit”, sondern “lass dir Raum”. Auch für die Artikulation ist das ganz wichtig.

Worauf kommt es bei der Artikulation noch an?

Wichtig ist, bei jedem Wort konzentriert dabei zu sein. Gerade kurze Wörter werden oft vernuschelt. Jedem Wort gebührt derselbe Respekt, auch wenn es noch so kurz ist. Jeder Buchstabe in einem Wort ist nicht zufällig, sondern gibt den Klang, gibt die Bedeutung und muss auch gehört werden.

Kann man Ihrer Erfahrung nach von der Stimme eines Menschen auf dessen Persönlichkeit schließen?

Sehr! Es geht nicht darum, ob das eine schöne oder weniger schöne Stimme ist, sondern nur darum, ob sie authentisch ist, ob dieser Mensch wirklich meint, was er sagt. Das ist ein wesentlicher Punkt. Mit der Stimme werden ja auch Emotionen transportiert. Wenn man müde oder traurig ist, klingt sie anders als wenn man gute Laune hat.

Was zeichnet letztlich einen guten Sprecher aus?

Ein wesentlicher Punkt ist sicherlich, ob man es schafft, mit seinem Gegenüber in Kontakt zu treten, ob man einen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes anzusprechen vermag. Hierfür braucht die Stimme schon eine gewisse Spannung. Ich vergleiche das gerne mit einer Gitarrensaite: Wenn sie gut gespannt ist, nicht über- oder unterspannt, dann ist der Ton wunderbar stimmig.

Und diese Kunst lässt sich erlernen?

In jedem Alter! Diese Kunst hat für mich viel mit Kultivieren, mit Übung zu tun. Letztlich ist vieles eine Trainingssache, gleichzeitig aber auch eine Frage des Mutes. Um via Stimme, via Sprache mit anderen Menschen in Beziehung zu treten, muss man bereit sein, seine Persönlichkeit zur Geltung zu bringen, etwas von sich preiszugeben. Das fällt manchen Menschen nicht leicht, gerade Manager haben damit oft ein Problem und sind darauf erpicht, nur ja keine Emotionen zu zeigen.

Ein guter Redner sollte Ihrer Ansicht nach also dem Zuhörer auch ein bisschen Einblick in seine Gefühlswelt gewähren?

Ja, was aber nicht heißt, dass ich mein Innerstes nach außen kehren muss, sondern nur, dass ich zum Ausdruck bringe, dass ich als Mensch im Moment bei der Sache bin. Und dazu gehören natürlich auch Emotionen. Wir haben ja viele Stimmungen den ganzen Tag über. Meist werden diese Stimmungen von unserer Stimme abgespalten, weil wir glauben, sie nicht zeigen zu dürfen. Aber ist das ansprechend? Wir wollen den Menschen ja in seiner ganzen Individualität sehen.

Es gibt das Phänomen, dass man manche Stimmen auf Anhieb sympathisch findet. Woran genau liegt das?

Genau daran, ob eine Stimme authentisch ist, ob sie der Person entspricht und ob man hinter dem, was man sagt, auch steht.

Stimm- und Sprechtraining kann also nicht zuletzt auch eine Übung in Sachen Selbsterfahrung sein?

Man lernt einfach, sich auf vielen verschiedenen Ebenen wahrzunehmen. Es ist ungemein spannend zu beobachten, wie sich Stimmen verändern, wenn sich Menschen zu öffnen beginnen und sich zu stimmigen Persönlichkeiten entfalten. Ich bekomme oft das Feedback, “ich wollte sprechen lernen und habe nun mein Leben verändert”. Auch sogenannte Piepsstimmen sind meist nicht angeboren, sondern ein Resultat von Erziehung und Sozialisation.
Piepsstimmen können auch ein Karrierekiller sein, weil sie in der Mehrzahl mit Unsicherheit und fehlender Kompetenz assoziiert werden. Meiner Erfahrung nach gibt es sehr wenige Frauen, die von Natur aus eine ganz hohe Piepsstimme haben. Asiatinnen sprechen oft deshalb mit Piepsstimmen, weil sie so erzogen wurden. Wenn man von klein auf gesagt bekommt: Sprich nicht so tief oder sprich nicht so laut, dann hat das schon Auswirkungen auf unser Sprechverhalten. In den meisten Fällen haben Frauen, die mit sehr hoher Stimme sprechen, in Wahrheit eine andere Stimmlage. Aber die Spannung in den Stimmbändern und im ganzen Körper ist einfach zu hoch. Daran kann man arbeiten, dass die Stimme besser schwingt und souveräner rüberkommt.

Wie sehen Übungseinheiten bei Ihnen konkret aus?

Meine Stunden sind ganz individuell auf den jeweiligen Menschen abgestimmt und so konzipiert, dass ein Bogen gespannt wird vom Atem zur Stimme, vom Sprechtraining zur Sprachmelodie, zum Rhythmus, zur Aussprache bis hin zum Atmosphäre-Schaffen. Wie gehe ich mit einem Text um? Was ist die Hauptbotschaft meines Vortrages? Mir ist ganz wichtig, dass es nicht bei den Übungen bleibt, sondern dass im freien Sprechen dann alles ineinander fließt, dass die einzelnen Tools trainiert und verinnerlicht werden. Das Sprechen per se ist ein sinnlicher Prozess. Mein Körper weiß, wann der Atem kommen möchte. Wir haben eine enorme Körperintelligenz, die möchte ich vermehrt ins Bewusstsein rücken, damit die Stimme dann besser trägt und wirken kann.

Zur Person
Gunda Hofmann, geboren 1965 in Linz, ist akademische Atempädagogin, Stimmpädagogin und langjährige Trainerin und Expertin für Atemtechnik, Stimmtraining, Rhetorik, Körpersprache und Ausdruck. Darüber hinaus absolvierte sie eine Schauspielausbildung, fungiert als Sprecherin und ist Taiji-Quan- und Qigonglehrerin. Seit 2006 Trainerin und Mitbegründerin des Zentrums für Stimme & Sprechen in Wien, das sie seit 2013 leitet.

(Print-Ausgabe Wiener Zeitung vom 17.05.2019)

Wiener Zeitung, Online-Ausgabe vom 17.05.2019

 

(Screenshot, “Die Presse”, Print-Ausgabe, 26.11.2017)

Was Chefs unterm Christbaum sagen

Führung. Bei der Weihnachtsfeier haben Zahlen, schlechte Nachrichten und Motivationsappelle nichts verloren. Dafür ist umso mehr Zeit für Stolz, Dankbarkeit und jede Menge Emotion.

Von Michael Köttritsch 26.11.2017 um 17:00

Natürlich kann man als Chef die Mitarbeiter bei der Ansprache auf der Weihnachtsfeier darauf vorbereiten, dass sie in den Wochen und Monaten nach Weihnachten ihre Familien kaum sehen werden – weil so viel Arbeit wartet. Man kann, aber man muss nicht.

Mehr noch. Man sollte nicht. Gunda Hofmann, Gründerin des Zentrums für Stimme & Sprechen in Wien, weiß aus ihrer Arbeit mit Führungskräften, dass sie „kein Problem haben, über Fachliches zu sprechen, sich aber mit Persönlichem schwer tun“. Doch genau das ist bei der Weihnachtsfeier gefragt. Zahlen und Fakten, sagt sie, hätten hier nichts verloren. Viel mehr sollte das erwähnt werden, was gelungen ist. Allerdings: Wenn Abteilungen oder einzelne Personen hervorgehoben werden, dann müssten diese schon etwas ganz Besonderes geleistet haben – andernfalls fühlten sich alle anderen, die sich das ganze Jahr für das Unternehmen eingesetzt haben, zurückgesetzt.

Friedlich, familiär, warm

„Sehr geehrte Damen und Herren, ich freue mich, dass Sie so zahlreich erschienen sind. Lassen Sie mich einige Worte zum letzten Jahr verlieren“: Das sei als Einstieg eine glatte Themenverfehlung, sagt Georg Wawschinek, Medientrainer und Autor von „Charisma fällt nicht vom Himmel“. Ziele für 2018, Druck und Forderungen seien ebenfalls No-Gos: „Was vorkommen sollte, sind Stolz, Dank, Anerkennung.“ Und die Ansprache sollte vor allem das Gefühl von Geborgenheit und menschlicher Wärme vermitteln. Ohne dass es aufgesetzt wirke. Denn Charismatiker sind reflektiert und imstande, eigene Gefühle wahrzunehmen und diese Gefühle in anderen zu erwecken.

Das könne gelingen, sagt Hofmann, wenn der Redner einen Bezug zu sich selbst herstellt, mit einer kleinen persönlichen Geschichte beginnt und erzählt: Was ist Weihnachten für mich? Hofmann hat zusätzlich einige „technische“ Tipps parat, die dabei helfen, eine gute Stimmung zu vermitteln: erstens sich selbst erinnern, welches Gefühl, welche Stimmung mit Weihnachten verbunden ist. Zweitens: Körperspannung ist wichtig, beide Fersen fest in den Boden zu drücken gibt zusätzlich Energie. Drittens: einen imaginären Kreis um alle Zuhörer ziehen, um alle anzusprechen. „Und immer wieder prüfen: Hören mich die Gäste?“ So entständen automatisch Pausen, die wichtig für den Redner sind, um nicht außer Atem zu geraten – und für die Zuhörer, damit die Bilder im Kopf entstehen können. Schließlich lässt sich mit der möglichst zu Beginn der Feier gehaltenen Rede sehr gut steuern, wie viele Gäste wie lange mit welcher Stimmung bei der Weihnachtsfeier bleiben.

Unsicher, ernst, schwierig

Eine gute Rede – also nicht länger als zehn Minuten – zu halten, ist für viele Chefs an sich schon schwierig. Besonders herausfordernd wird es, wenn es dem Unternehmen wirtschaftlich nicht gut geht. „Wichtig ist es, nichts ,schönzureden‘ und das Positive – und seien es kleine, persönliche Erfolge und Begebenheiten – hervorzuheben“, sagt Kommunikationsexpertin Carola Purtscher. Das Ziel sei es, die Mitarbeiter motiviert und nicht mit Zukunftssorgen (Stichwort: mögliche Kündigungen) in das neue Jahr zu begleiten. Darüber hinaus gelte – wie bei allen (Weihnachts-)Ansprachen: „Kurzweilig, anschaulich und gewürzt mit einer Prise Humor darf die Rede gern sein.“

Jedenfalls sollte man es mit Motivationsappellen nicht übertreiben, sind sich Hofmann, Purtscher und Wawschinek einig. Natürlich könne man den Film „Apocalypse Now“ zitieren und sagen, man erwarte jeden Morgen im Büro „den Geruch von Napalm“, weil der an den Sieg erinnere – wie es eine Führungskraft vor wenigen Jahren tatsächlich einmal gemacht hat. Wie gesagt: Man kann, aber man muss nicht.
(Print-Ausgabe Die Presse vom 26.11.2017)

Die Presse, Online-Ausgabe vom 26.11.2017

 

Was die Stimme über den Politiker verrät

Werner Faymann, der Kindliche. Maria Fekter, die Sirene. Michael Häupl, der Authentische. Das Sprachorgan kann Wahlen entscheiden. Doch viele Politiker sind mit ihrer Stimme nicht im Einklang.
Die Vorstellung von einem Wahlkampf, in dem Barack Obama gegen Michael Häupl antritt, hat etwas Amüsant-Skurriles: Pathos und Überzeugungskraft träfen auf die tendenziell grantlerische Wiener Stammtischphilosophie. Dort ein “Yes we can” – hier Sätze wie: “Ich brauche keine Meinungsumfrage, ich geh ins Wirtshaus.”

Und doch haben der US-amerikanische Präsident und der Wiener Bürgermeister mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick meinen möchte. Beide sind im Einklang mit ihrer Stimme. Sie verkörpern geradezu die Inhalte und Befindlichkeiten, die sie transportieren (wollen). Das ist mutig – und schafft Publikum. Man hört ihnen einfach zu.

Ähnlich wie Obama spreche Häupl mit dem ganzen Körper, er sei locker und habe eine gute Wortmelodie, sagen die Stimmexperten Gunda Hofmann und Karsten Lochau, die gemeinsam die Sprachschule “Stimme und Sprechen Wien” führen. Kurzum: Obama und Häupl sind authentisch, wenn sie reden. Und das ist ein nicht zu unterschätzender Erfolgsfaktor in der Politik.

Denn bei den meisten Volksvertretern ist die Stimme, wie es im Fachjargon heißt, “verschüttet”. Bedeutet: Die Resonanzräume, die jeder Mensch hat, sind verschlossen. Die Stimme klingt dann nicht – wie ein Instrument – in den Körper hinein, sondern so, als wäre sie von der Person entkoppelt worden. In der Politik kann das fatale Folgen haben: Die Botschaft kommt nicht an, weil der Zuhörer entweder gelangweilt aussteigt oder dem Redner nicht glaubt, dass er tatsächlich meint, was er sagt.

Anzeichen für eine unterdrückte Stimme gibt es beispielsweise bei Doris Bures. Die Worte blieben im Hals stecken, die Verkehrsministerin klinge monoton und verhalten, analysiert Hofmann. “Deshalb wirkt sie weniger kompetent, als sie wahrscheinlich ist.” Auch Maria Fekter mangelt es an Überzeugungskraft. Wenn die Finanzministerin etwas behaupte, werde ihre Stimme “scharf und schrill wie eine Sirene”. Damit erreiche sie das Gegenteil dessen, was sie will: “Fekter wird unpersönlich und damit unglaubwürdig.”

Wer nach den Ursachen für Stimmblockaden forscht, landet schnell in der Psychologie. Ausschlaggebend ist fast immer die Lebensgeschichte, denn der Mensch passt auch seine Tonlage den Anforderungen der Umwelt an. Vielleicht wurde der damals Siebenjährige im Schulchor für seine laute Stimme gemaßregelt. Das eingeschüchterte Kind verstellt sich – und nimmt diesen Habitus ins Erwachsenenleben mit.

Werner Faymann hat sich in seinen mittlerweile viereinhalb Kanzlerjahren zumindest rhetorisch stark verbessert. “Aber stimmlich hat er ein Problem”, meint Hofmann. “Er wirkt sehr kindlich.” Generell sei Faymanns Auftreten aber “in Ordnung”, weil er in der Lage sei, flüssig zu sprechen. Für Michael Spindelegger gilt das eher nicht. Der Vizekanzler rede abgehackt, weil er die Sache in den Vordergrund und seine Persönlichkeit in den Hintergrund schiebe. “Das klingt ein bisschen künstlich, als spräche er einen Werbeslogan.”

Die gute Nachricht ist: Man kann etwas dagegen unternehmen. Profis – Schauspieler oder Sänger zum Beispiel – überzeugen sprachlich auch an jenen Tagen, an denen sie vielleicht traurig sind. Den meisten Politikern gelänge das mangels Stimmausbildung nicht, und das sei schade, meint Lochau. Zumal auch sie einen Sprechberuf hätten: “Sie sollten den Menschen verständlich erklären können, was sie vorhaben.”

Strache schluckt, wenn er täuscht. Dass komplexe Themen wie die Berechnung des Pensionskontos dem Wähler auch vom besten Redner nicht hinreichend nähergebracht werden könnten, sei eine Mär. “Man kann alles interessant machen”, sagt der Stimmtrainer und erzählt die Geschichte von Robert de Niros deutschem Synchronsprecher Christian Brückner, der einmal aus einem Telefonbuch vorgelesen hat. Das Ergebnis war verblüffend: “Die Hörerschaft konnte gar nicht genug bekommen von Namen und Nummern, weil Brückner eine so schöne Stimme hat.”

Ein anderes Missverständnis lautet: Oppositionspolitiker müssen aggressiv sein, um Gehör zu finden. Heinz-Christian Strache etwa spreche die Menschen nicht direkt an, sondern “drüber, drüber, drüber” – obwohl seine Stimme “eigentlich okay ist”, wie Lochau findet. Auffällig ist außerdem, dass der FPÖ-Chef in manchen Momenten heftig zu schlucken beginnt. “Da stimmt etwas nicht.” Täuscht er dann? “Keine Ahnung. Aber Menschen, die authentisch sind, passiert so etwas nicht.”

Generell gilt beim Reden: Weniger ist mehr. Aufmerksamkeit erlangt nur, wer die Lautstärke zurückdreht. Offensiv darf, ja soll man sogar sein, aber nie aggressiv. Diese Grenze überschreitet mitunter auch Eva Glawischnig. Hofmann bescheinigt der Grünen-Chefin eine ambivalente Performance: “Wenn sie über Privates spricht, bleibt ihre Stimme weich, dann ist sie gut.” In der politischen Debatte vergesse Glawischnig allerdings oft auf die Atmung, werde hektisch und laut. Automatisch schlüpfe sie damit in die Verteidigerrolle.

Möglicherweise lässt sich das auch gesellschaftspolitisch begründen. Nicht nur, aber vor allem in Männerdomänen wie der Politik haben es Frauen schwerer. Viele erliegen dem Irrglauben, die Kollegen übertönen zu müssen, um sich durchsetzen zu können. Die Folge? “Sie werden unlocker.” Dabei zeige Maria Vassilakou vor, wie es geht, meint Hofmann. Die Wiener Vizebürgermeisterin “redet ganz klar, wird dabei nie aggressiv und ist deshalb überzeugend”.

Obama sagt es einfach. Dass eine einzige Stimme Machtverhältnisse verschieben (oder einzementieren) kann, ist mehrfach bewiesen. Inwieweit auch das Sprachorgan Stimme eine Wahl zu entscheiden vermag, bleibt weitgehend Mutmaßung. Man muss allerdings kein Demoskop sein, um behaupten zu können, dass ein guter Redner eher gewählt wird. “Es reicht nicht, inhaltlich ausgezeichnet zu sein”, meint auch Lochau.

Zumal politische Inhalte nur dann beim Adressaten ankommen, wenn zuvor eine Atmosphäre geschaffen wurde. Und das geht nur über Emotionen. Barack Obama ist bekanntlich ein Meister dieser Disziplin. Er geht auf die Bühne und sagt es einfach: “I feel good.”

Es wäre jedoch falsch, würden Werner Faymann und Michael Spindelegger wie Obama klingen wollen. Der Versuch wäre zum Scheitern verurteilt, weil die beiden völlig andere Typen sind. Oder, ein anderes Gedankenexperiment: Man stelle sich vor, Michael Häupl spricht plötzlich Hochdeutsch. Wer würde ihn dann noch wählen?

(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 24.03.2013)

 

(Screenshot, “Die Presse”, Print-Ausgabe, 24.03.2013)

Was die Stimme über den Politiker verrät

Werner Faymann, der Kindliche. Maria Fekter, die Sirene. Michael Häupl, der Authentische. Das Sprachorgan kann Wahlen entscheiden. Doch viele Politiker sind mit ihrer Stimme nicht im Einklang.
Die Vorstellung von einem Wahlkampf, in dem Barack Obama gegen Michael Häupl antritt, hat etwas Amüsant-Skurriles: Pathos und Überzeugungskraft träfen auf die tendenziell grantlerische Wiener Stammtischphilosophie. Dort ein “Yes we can” – hier Sätze wie: “Ich brauche keine Meinungsumfrage, ich geh ins Wirtshaus.”

Und doch haben der US-amerikanische Präsident und der Wiener Bürgermeister mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick meinen möchte. Beide sind im Einklang mit ihrer Stimme. Sie verkörpern geradezu die Inhalte und Befindlichkeiten, die sie transportieren (wollen). Das ist mutig – und schafft Publikum. Man hört ihnen einfach zu.

Ähnlich wie Obama spreche Häupl mit dem ganzen Körper, er sei locker und habe eine gute Wortmelodie, sagen die Stimmexperten Gunda Hofmann und Karsten Lochau, die gemeinsam die Sprachschule “Stimme und Sprechen Wien” führen. Kurzum: Obama und Häupl sind authentisch, wenn sie reden. Und das ist ein nicht zu unterschätzender Erfolgsfaktor in der Politik.

Denn bei den meisten Volksvertretern ist die Stimme, wie es im Fachjargon heißt, “verschüttet”. Bedeutet: Die Resonanzräume, die jeder Mensch hat, sind verschlossen. Die Stimme klingt dann nicht – wie ein Instrument – in den Körper hinein, sondern so, als wäre sie von der Person entkoppelt worden. In der Politik kann das fatale Folgen haben: Die Botschaft kommt nicht an, weil der Zuhörer entweder gelangweilt aussteigt oder dem Redner nicht glaubt, dass er tatsächlich meint, was er sagt.

Anzeichen für eine unterdrückte Stimme gibt es beispielsweise bei Doris Bures. Die Worte blieben im Hals stecken, die Verkehrsministerin klinge monoton und verhalten, analysiert Hofmann. “Deshalb wirkt sie weniger kompetent, als sie wahrscheinlich ist.” Auch Maria Fekter mangelt es an Überzeugungskraft. Wenn die Finanzministerin etwas behaupte, werde ihre Stimme “scharf und schrill wie eine Sirene”. Damit erreiche sie das Gegenteil dessen, was sie will: “Fekter wird unpersönlich und damit unglaubwürdig.”

Wer nach den Ursachen für Stimmblockaden forscht, landet schnell in der Psychologie. Ausschlaggebend ist fast immer die Lebensgeschichte, denn der Mensch passt auch seine Tonlage den Anforderungen der Umwelt an. Vielleicht wurde der damals Siebenjährige im Schulchor für seine laute Stimme gemaßregelt. Das eingeschüchterte Kind verstellt sich – und nimmt diesen Habitus ins Erwachsenenleben mit.

Werner Faymann hat sich in seinen mittlerweile viereinhalb Kanzlerjahren zumindest rhetorisch stark verbessert. “Aber stimmlich hat er ein Problem”, meint Hofmann. “Er wirkt sehr kindlich.” Generell sei Faymanns Auftreten aber “in Ordnung”, weil er in der Lage sei, flüssig zu sprechen. Für Michael Spindelegger gilt das eher nicht. Der Vizekanzler rede abgehackt, weil er die Sache in den Vordergrund und seine Persönlichkeit in den Hintergrund schiebe. “Das klingt ein bisschen künstlich, als spräche er einen Werbeslogan.”

Die gute Nachricht ist: Man kann etwas dagegen unternehmen. Profis – Schauspieler oder Sänger zum Beispiel – überzeugen sprachlich auch an jenen Tagen, an denen sie vielleicht traurig sind. Den meisten Politikern gelänge das mangels Stimmausbildung nicht, und das sei schade, meint Lochau. Zumal auch sie einen Sprechberuf hätten: “Sie sollten den Menschen verständlich erklären können, was sie vorhaben.”

Strache schluckt, wenn er täuscht. Dass komplexe Themen wie die Berechnung des Pensionskontos dem Wähler auch vom besten Redner nicht hinreichend nähergebracht werden könnten, sei eine Mär. “Man kann alles interessant machen”, sagt der Stimmtrainer und erzählt die Geschichte von Robert de Niros deutschem Synchronsprecher Christian Brückner, der einmal aus einem Telefonbuch vorgelesen hat. Das Ergebnis war verblüffend: “Die Hörerschaft konnte gar nicht genug bekommen von Namen und Nummern, weil Brückner eine so schöne Stimme hat.”

Ein anderes Missverständnis lautet: Oppositionspolitiker müssen aggressiv sein, um Gehör zu finden. Heinz-Christian Strache etwa spreche die Menschen nicht direkt an, sondern “drüber, drüber, drüber” – obwohl seine Stimme “eigentlich okay ist”, wie Lochau findet. Auffällig ist außerdem, dass der FPÖ-Chef in manchen Momenten heftig zu schlucken beginnt. “Da stimmt etwas nicht.” Täuscht er dann? “Keine Ahnung. Aber Menschen, die authentisch sind, passiert so etwas nicht.”

Generell gilt beim Reden: Weniger ist mehr. Aufmerksamkeit erlangt nur, wer die Lautstärke zurückdreht. Offensiv darf, ja soll man sogar sein, aber nie aggressiv. Diese Grenze überschreitet mitunter auch Eva Glawischnig. Hofmann bescheinigt der Grünen-Chefin eine ambivalente Performance: “Wenn sie über Privates spricht, bleibt ihre Stimme weich, dann ist sie gut.” In der politischen Debatte vergesse Glawischnig allerdings oft auf die Atmung, werde hektisch und laut. Automatisch schlüpfe sie damit in die Verteidigerrolle.

Möglicherweise lässt sich das auch gesellschaftspolitisch begründen. Nicht nur, aber vor allem in Männerdomänen wie der Politik haben es Frauen schwerer. Viele erliegen dem Irrglauben, die Kollegen übertönen zu müssen, um sich durchsetzen zu können. Die Folge? “Sie werden unlocker.” Dabei zeige Maria Vassilakou vor, wie es geht, meint Hofmann. Die Wiener Vizebürgermeisterin “redet ganz klar, wird dabei nie aggressiv und ist deshalb überzeugend”.

Obama sagt es einfach. Dass eine einzige Stimme Machtverhältnisse verschieben (oder einzementieren) kann, ist mehrfach bewiesen. Inwieweit auch das Sprachorgan Stimme eine Wahl zu entscheiden vermag, bleibt weitgehend Mutmaßung. Man muss allerdings kein Demoskop sein, um behaupten zu können, dass ein guter Redner eher gewählt wird. “Es reicht nicht, inhaltlich ausgezeichnet zu sein”, meint auch Lochau.

Zumal politische Inhalte nur dann beim Adressaten ankommen, wenn zuvor eine Atmosphäre geschaffen wurde. Und das geht nur über Emotionen. Barack Obama ist bekanntlich ein Meister dieser Disziplin. Er geht auf die Bühne und sagt es einfach: “I feel good.”

Es wäre jedoch falsch, würden Werner Faymann und Michael Spindelegger wie Obama klingen wollen. Der Versuch wäre zum Scheitern verurteilt, weil die beiden völlig andere Typen sind. Oder, ein anderes Gedankenexperiment: Man stelle sich vor, Michael Häupl spricht plötzlich Hochdeutsch. Wer würde ihn dann noch wählen?

(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 24.03.2013)

 

(Screenshot, “Die Presse”, Print-Ausgabe, 24.03.2013)
(Screenshot, “Die Presse”, Print-Ausgabe, 05.05.2007)
Rhetorik und Präsentation
Die Atmung ist die Basis, Reden und Atmen lernen
im Zentrum für Stimme & Sprechen
Woher kommt die Fähigkeit mancher Menschen, überzeugend, verständlich und klar zu sprechen? Ist alles Naturtalent oder kann man Reden lernen? Natürlich besitzen Schauspieler oder Fernsehsprecher sowie Leute, die viele öffentliche Auftritte zu absolvieren haben, in der Regel eine professionelle Ausbildung. Kommunikation ist das zentrale Thema im Arbeitsprozess, auch Führungskräfte sind gefordert, sich gut zu artikulieren.

Das Zentrum für Stimme und Sprechen unter der Leitung der ausgebildeten Schauspieler und Trainer Karsten Lochau und Gunda Hofmann hat sich einem langfristigen Trainingsprozess verschrieben und hält nichts von Schnellschüssen, um die eigene Sprechleistung zu verbessern.

Denn die Atmung ist die Basis des Sprechens, diese könne nur vertieft und erweitert werden, wenn das Verhältnis Spannung- und Entspannung in der Muskulatur ausgeglichen ist. Nur wer imstande ist, die Spannungsverhältnisse im Körper bewusst einzusetzen, wird sein stimmliches Potenzial und somit den freien Ausdruck in der Sprache optimieren können.

 

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