Mit Atemübungen zum Erfolg

Der Atem ist die Basis des Sprechens

 

Atemübungen, warum?

Warum muss ich atmen? Warum ist der Atem so wichtig beim Sprechen, ja warum?

Jetzt muss ich schon wieder atmen? Nein, das ist kein Witz, diese Fragen tauchen oft auf im Unterricht.

Sie müssen nicht atmen, der Atem kommt von alleine, im täglichen Leben fragen Sie sich bestimmt nicht, warum muss ich atmen, klar, der Atem kommt und geht. Das geschieht unbewusst. Immerhin wird der Atem oder das Atmen in unserem Stammhirn gesteuert, dort wo alle lebensnotwendigen Funktionen unbewusst gesteuert werden. Warum muss mein Herz heute wieder klopfen, muss ich was tun, dran denken? Natürlich nicht. Wir wissen, wenn wir nur zwei Minuten nicht atmen, werden wir ohnmächtig, nach fünf Minuten ohne Atem ist es sehr wahrscheinlich, dass Schäden im Gehirn entstehen.

 

Der Mythos vom „Richtig Atmen“

Dass man „richtig atmen“ MUSS, ist fest im Glauben verankert. Doch ATMEN MÜSSEN widerspricht der Natur des Atmens. Der Atem fließt, den Atem geschehen lassen, was bedeutet das?

Bei Atemübungen als Vorbereitung für das Sprechen verhalten wir uns beobachtend. Wir beobachten, was macht der Atem, wie reagiert er auf bestimmte Bewegungen oder Situationen. Der Atem lügt nicht, er ist lebendig und der Gradmesser unserer Befindlichkeit.

Das heißt also, unser Atem passt sich den jeweiligen Situationen an. Damit das noch besser Geschehen kann, beobachten wir ihn. Über Aufmerksamkeit und Beobachtung bei bestimmten Bewegungen, kann sich ihr persönlicher Atemrhythmus einstellen. Das bedeutet, Ihr Atem gehört Ihnen. Niemand und nichts kann Ihnen Ihren persönlichen Atem vorschreiben. Das hilft Ihnen unter anderem entsprechend der Situation zu reagieren.

Mit Atemübungen Raum und Resonanz schaffen

So verhält sich das auch beim Sprechen. Mit vorbereitenden Atemübungen werden Atemräume geöffnet, Sie spüren möglicherweise mehr Weite. Diese Räume sind nicht nur Atemräume, sondern auch Resonanzräume. Das heißt, Resonanz braucht Grenzen (ihre Körperwände) und Resonanz braucht Raum. Die Stimme kann durch Raum und Grenzen besser schwingen. Gegen Luft können Sie nicht klopfen, es würde nichts zu hören sein, der Ton braucht Widerstand, also Grenzen. Sie können sich Ihren Körper wie ein Instrument vorstellen, z.B. eine Gitarre, der Ton braucht Raum und die Gitarre hat einen Körper mit Grenzen, die braucht der Ton auch. Dann gibt es noch die Saiten. Und hier kommen wir zum nächsten wichtigen Punkt, die Saiten sollen richtig gespannt sein, damit ein wohlklingender Ton entsteht.

Durch Atemübungen mit Bewegung entsteht Wohlspannung, d.h. Ihre Muskulatur ist weder überspannt noch unterspannt und kann so besser adäquat der Situation reagieren, auch beim Sprechen. Die richtigen Spannungsverhältnisse sind entscheidend.

Sie sind also beim Sprechen Instrument und SpielerIn gleichzeitig.

 

Atemübungen stimmen das Instrument, nämlich Ihren Körper

Mit Atemübungen und dem freien zugelassenen Atem stimmen Sie Ihr

Instrument. Sie bereiten sich mit Atemübungen schon auf das Sprechen vor. Nach den Atemübungen schwingt die Stimme besser, das Sprechen fällt leichter, die Stimme klingt voller.

Sie fühlen sich nach den Atemübungen bewusster, sicherer, standfester. Wer würde behaupten, dass diese Befindlichkeiten unwichtig sind während einer Rede oder eines Vortrags. Im Gegenteil, sie sind wesentliche Merkmale, die eine gute Rednerin und einen guten Redner ausmachen.

 

Atemübungen versus Atemtechniken

Erst wenn Sie Ihren persönlichen Atem gefunden haben, können Sie Atemübungen nützen, die den Atem vorgeben, d.h. hier atmen Sie ein, hier atmen Sie aus. Doch das ist nur für die Übung wichtig, um etwas Bestimmtes zu erreichen.  Hier handelt es sich eben um Atemtechniken, die den Atem bei der Übung vorgeben. Nach der Atemübung bitte in Ihrem persönlichen Atemrhythmus weiteratmen. Atemtechniken werden z.B. bei Yoga genützt, um eine Überdehnung besser halten zu können, oder bei Qigong, um das Qi zu aktivieren. Auch wenn man z.B. ein Blasinstrument spielt, werden Atemtechniken mit vorgegebenem Atem genützt. Doch das Blasinstrument spielen Sie ja nicht immer, d.h. nach dem Spielen kehren Sie wieder in Ihren persönlichen Atemrhythmus zurück. Atemtechniken sind beim Sprechen nicht in erster Linie relevant, viel mehr unterstützen Übungen des freien zugelassenen Atems das Sprechen.

 

Der freie zugelassene Atem, der Atem kommt durch Atemübungen von selbst

Ein Beispiel für den freien, zugelassenen Atem: Sitzen Sie gut aufgerichtet auf einem Sessel mit ebener Sitzfläche, heben Sie jetzt einen Arm und dehnen Sie den Arm sanft nach oben. Lassen Sie die Dehnung wieder etwas los, d.h. der Arm bewegt sich wieder etwas nach unten. Wann atmen Sie ein, wann atmen Sie aus? Denken Sie nicht, dass Sie atmen müssen, Ihr Atem passiert von ganz alleine. Sehen Sie, bei dieser einfachen Übung stellt sich Ihr persönlicher Atemrhythmus ganz von selbst ein.

Der Atem beim Sprechen

So passiert das auch beim Sprechen, ihr Atem kommt von ganz alleine.

Versuchen Sie mit „FT“ auszuatmen und passen Sie auf, was der Einatem macht. Versuchen Sie das einige Male. Richtig, der Einatem kommt ganz schnell, wie von selbst. Diesen Atem nennt man den Reflektorischen Atem, das ist unser Sprechatem. Beim Sprechen ist es besonders wichtig den Atem einfließen zu lassen, wann er möchte. Sprechen Sie nicht zu lange an einem Stück und lassen Sie den Atem zu, wenn Sie das Bedürfnis danach haben. So kann auch Sprechrhythmus und Sprachmelodie entstehen, Ihre Aussprache wird klarer, weil Sie sich Zeit und Raum für den Atem und die Wörter nehmen. Es ist sogar so, dass, wenn Sie den Atem beim Sprechen nach Ihren Bedürfnissen einfließen lassen, Bilder hochsteigen, Stimmungen Platz haben, Atmosphären und Gedanken. Ihr Publikum dankt es Ihnen. Wenn bei Ihnen Stimmungen und Bilder entstehen und auch Gedanken, dann passiert das auch bei den ZuhörerInnen. So können Sie Ihre GesprächspartnerInnen und ihr Publikum in den Bann ziehen.

Sie sehen also, der Atem ist die Basis des Sprechens.

Atemübungen kennenlernen und praktizieren –

In unserem Workshop “Stimmtraining & Atemübungen”

In diesem Workshop lernen Sie, wie wichtig der Atem für die Stimmgebung, den Sprachrhythmus und die Sprachmelodie ist.